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Resilienz: die 7 Säulen der inneren Kraft

Resilienz beschreibt das Phänomen, dass manche Menschen trotz ausgeprägter Belastungen gesund bleiben und sich vergleichsweise schnell von Krisen erholen. Es bezeichnet also eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen Belastungen und Stress. Eine in unserer modernen, von Zeitdruck und Arbeitsverdichtung geprägten Arbeitswelt sehr wertvolle Kompetenz.

Resiliente Personen zeichnen sich durch hohe Flexibilität und Stresstoleranz aus, sie besitzen aber auch eine hohe Frusttoleranz. Rückschläge werfen sie nicht gleich aus der Bahn und bei Problemen begeben sie sich auf die Suche nach Lösungen, anstatt im Problemdenken verhaftet zu bleiben. Sie übernehmen Verantwortung und sind zielstrebig. Resilient zu sein bedeutet zusammengefasst, mit den Widrigkeiten des Lebens gut umgehen zu können.

Und die gute Nachricht lautet: Resilienz lässt sich entwickeln und trainieren!

Was ist Resilienz?

Resiliere bedeutet auf Latein zurückspringen, abprallen. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes entstammt der Werkstoffkunde. Es beschreibt Materialien, die biegsam sind und stets wieder ihre usprüngliche Form annehmen. Die Psychologie hat sich den Begriff angeeignet und meint damit eine gewisse psychische Robustheit gegenüber Belastungsfaktoren. Resilienz wird auch als die psychische Widerstandsfähigkeit oder das Immunsystem der Seele bezeichnet.

Grundsätzlich geht es darum, dass sich Menschen trotz widrigster Umstände in ihrer Kindheit, gut bis sehr gut entwickeln und ihr Leben meistern bzw. Menschen trotz zeitweise äußert belastender Lebensbedingungen eine positive Zukunfts-Perspektive einnehmen können.

Menschen mit einer starken Widerstandsfähigkeit erleben außerdem mehr positive Emotionen und erholen sich schneller und besser von negativen Ereignissen und auch dem Einfluss von Stressoren.

Ein Ausgangspunkt der Resilienzforschung wird in der Arbeit von Emmy Werner gesehen, die eine über 40 Jahre angelegte Längsschnittstudie mit knapp 700 Kindern auf der Insel Kauai durchgeführt hat. Dabei stellt sie fest, dass einige Kinder trotz ungünstigester Ausgangsbedingungen eine erstaunlich gute Entwicklung genommen hatten und ihr Leben gut im Griff hatten.

Sie untersuchte, welche Schlüsselfaktoren dazu beitragen, dass wir Krisen gut überwinden, bzw. sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen.

Resilienz ist also keine für sich genommene Fähigkeit, sondern eine sogenannte Metakompetenz, die sich aus vielen verschiedenen, sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren zusammensetzt. In der Literatur werden 7 bzw. 8 Resilienzfaktoren beschrieben, die ich im folgenden Abschnitt erläutern möchte.

 

Die 7 Resilienzfaktoren

Karen Reivich und Andrew Shatté, zwei Forscher auf dem Gebiet der Resilienz haben folgenden sieben Resilienzfaktoren identifiziert:

  1. Optimismus
  2. Akzeptanz
  3. Lösungsorientierung
  4. Selbstwirksamkeit
  5. Verantwortungsübernahme
  6. Netzwerkorientierung
  7. Zukunftsplanung

Schauen wir uns die Faktoren im Einzelnen etwas genauer an.

Optimismus

Beim Optimismus geht es um eine positive Grundhaltung, nicht jedoch um eine rosarote Brille. Resiliente Menschen besitzen Zuversicht, auch in Krisenzeiten und eine positive Sicht auf die Welt, sowie Vertrauen in sich und die Welt.

Optimisten sehen in neuen Situationen Chancen und betrachten Enttäuschungen als Möglichkeit, Erfahrungen zu machen. Sie besitzen ein großes Selbstvertrauen und sind sich ihrer Stärken bewusst. Das bringt sie zu der Überzeugung, dass sie Dinge, die sie sich vornehmen, auch schaffen können.

 

Ganz nach Sir Peter Ustinov: „Der Optimist weiß, dass die Welt schlecht ist. Der Pessimist findet es täglich neu heraus.“

Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet, Dinge anzunehmen, die man nicht ändern kann, ohne lange dagegen zu kämpfen und wertvolle Energie zu verlieren. Gegenüber der Toleranz beinhaltet die Akzeptanz eine aktive Komponente, nämlich das bewusste Anerkennen des aktuellen Problems. Denn nach C.G. Jung, dem Begründer der analytischen Psychologie, können wir ein Problem erst verändern, wenn wir es akzeptieren.

Resiliente Menschen akzeptieren Veränderungen, Rückschläge und Enttäuschungen als natürlichen Teil des Lebens. Sie betrachten Krisen nicht als unüberwindbare Probleme und reagieren flexibel auf Veränderungen.

Lösungsorientierung

Bei der Lösungsorientierung geht es darum, in Problem- oder Krisensituationen die Aufmerksamkeit auf mögliche Lösungen zu richten und nicht im Problem steckenzubleiben. Der Fokus liegt darauf, Auswege zu suchen sowie verschiedene Lösungsmöglichkeiten zu betrachten und gegeneinander abzuwägen.

Resiliente Menschen sind offen, neugierig und kreativ. Außerdem besitzen sie die Kompetenz, eine neue Perspektive einnehmen zu können, um die Situation von einer anderen Seite zu betrachten.

 

Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit meint die Fähigkeit, Dinge auch trotz Schwierigkeiten umzusetzen und kurzfristige Belohnungen aufzuschieben, um die größere langfristigen Belohnung zu erlangen.

Resiliente Menschen vertrauen auf ihre Willenskraft und ihr Durchhaltevermögen und bleiben in Krisensituationen entscheidungsfähig. Sie können sich selbst motivieren und sind fähig, sich gegenüber Verlockungen abzugrenzen.

 

Verantwortungsübernahme

Verantwortung zu übernehmen bedeutet eigenständige Entscheidungen zu treffen und sich bewusst zu sein, das eigene Leben selbst gestalten zu können.

Resiliente Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand und sind sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst. Sie vertrauen auf ihre eigene Stärken und darauf, mit Schwierigkeiten umgehen zu können. Sie verlassen die Opferrolle und geben nicht den Umständen oder anderen Menschen die Schuld für ein Problem.

 

Netzwerkorientierung

Verschiedene Studien zeigen, dass ein großes soziale Netzwerk dazu führt, dass Menschen weniger Stress erleben, ein höheres Wohlbefinden haben, gesünder sind und sich schneller von Krankheiten erholen.

Resiliente Menschen sind ein festes soziales Netzwerk eingebunden. Sie gestalten ihre Beziehungen aktiv und können sowohl Nähe herstellen, als auch Abstand nehmen. Sie besitzen die Fähigkeit, Konflikte einzugehen und akzeptieren sich und andere so, wie sie sind.

 

Zukunftsplanung

Visionen, Ziele und Wünsche sind wichtige Ressourcen, sie geben Kraft, Motivation und Zuversicht. Außerdem führen sie zu weniger Zweifeln, Haltlosigkeit und innerer Unruhe. Sie sind also wichtige Faktoren für Gesundheit und Wohlbefinden.

Resiliente Menschen gestalten aktive ihre Zukunft, kennen ihre Werte und setzten sich Ziele im Leben. Dadurch setzen Sie Prioritäten und verschieben Dinge nicht auf irgendwann. Gleichzeitig bleiben sie flexibel in der Zielerreichung und passen die Ziele auch mal an die aktuelle Lebenssituation an, ohne sie jedoch aus den Augen zu verlieren.

 

Wie kann ich meine Resilienz entwickeln?

Die Entwicklung der persönlichen Resilienz bedeutet, die sieben Resilienzfaktoren oder einige davon zu stärken. Und das gelingt durch Übung und Training.

Die Amerikanische Psychologenvereinigung (APA) empfiehlt zur Förderung der persönlichen Resilienz folgende zehn Schritte:

  1. Bauen Sie soziale Kontakte auf und pflegen Sie diese.
  2. Sehen Sie Krisen nicht als unlösbare Probleme.
  3. Akzeptieren Sie, dass Veränderungen zum Leben gehören
  4. Setzten Sie sich Ziele und träumen Sie!
  5. Handeln Sie entschlossen.
  6. Finden Sie zu sich selbst.
  7. Entwickeln Sie eine positive Sicht auf sich selbst.
  8. Behalten Sie die Zukunft im Auge.
  9. Erwarten sie das Beste.
  10. Sorgen Sie für sich selbst.

Das scheint eine großer Herausforderung zu sein, aber es lohnt sich, denn resilient zu sein, bedeutet frei zu sein, mit Stress gut umgehen zu können, sich den Herausforderungen des Alltages gewachsen zu fühlen und sich ein wenig wie der Fels in der Brandung zu fühlen.

Da dieses Thema für viele Menschen wichtig, jedoch nicht immer einfach alleine umzusetzen ist, habe ich dazu einen Selbstlern-Online-Kurs entwickelt. Dieser läuft über 10 Wochen und beinhaltet jeweils einen Theorie- und einen Praxisteil zum Training bzw. zur Stärkung der sieben Resilienzfaktoren.

Informationen zum Online-Kurs sind hier zu finden.