FEELGOOD – Beratung

#1: Wie halte ich mein Team in dieser Krise zusammen?

Viele Unternehmer mussten in den letzten zwei Wochen schwere Entscheidungen treffen, die auch dazu geführt haben, dass der Kontakt zu ihrem Team leidet. Zum Teil prasseln so vielen Themen auf Sie ein, dass ihnen schlicht die Zeit fehlen wird, sich um das Team zu kümmern. Hinzu kommt, dass der direkte Kontakt gerade nicht möglich ist. Außerdem führen die Entscheidungen vielfach zu persönlichen Einschnitten beim Team, was die Beziehung insgesamt belastet, auch, wenn vielfach Verständnis vorherrscht. 

All dies führt zu der Frage, wie Sie ihr Team in dieser Krise zusammenhalten. Zunächst möchte ich einige allgemeine Hinweis dazu geben, was die Krise ins uns und damit auch bei Ihrem Team auslöst. Anschließend fasse ich einige Ideen zusammen, auf welche Weise Sie Ihr Team in dieser Zeit zusammen halten. Diese habe ich z.T. von anderen kreativen Teams und Beispielen entliehen, die aktuell vielfach zu finden sind.

 

Was löst eine Krise in uns aus?

Reiter und Strotzka definieren 1977 eine Krisen als „zeitlich umschriebene Ereignisse von ungewissem Ausgang mit dem Charakter des Bedrohlichen, des möglichen Verlustes. Sie stellen gewohnte Wert- und Zielvorstellungen in Frage, fordern Entscheidung und Neuanpassung, können Gefühle der Hilflosigkeit erzeugen, führen vielfach zur Änderung des Verhaltens und Erleben und bieten somit auch die Chance einer Neuorientierung“.

Ich halte diese Definition für sehr treffend. Das zentrale Thema einer Krise ist ein großes Ohnmachtsgefühl und starke Unsicherheit. Wir verlieren Halt und Orientierung.

Eine Krise verläuft dabei in verschiedenen Phasen. Man unterteilt sie wie folgt:

  • Schockphase
  • Reaktionsphase
  • Bearbeitungsphase
  • Neuorientierung oder Chronifizierung

Wie jeder einzelne mit einer Krise umgeht, hängt zum einen davon ab, welche Bewältigungsstrategien der Person zur Verfügung stehen und zum anderen, auf welche Ressourcen Person zurückgreifen kann. Hier spielen ein soziales Netzwerk, finanzielle Sicherheit, Erfahrung, persönliche Ziele oder auch ein übergeordneter Sinn o.ä. eine wichtige Rolle.

In unserer aktuellen Situation ist die soziale Unterstützung etwas eingeschränkt, da wir auf den persönlichen Kontakt nicht voll zurückgreifen können. Dieser ist jedoch auch telefonisch oder über Facetime/ Skype nicht zu unterschätzen.

Die aktuelle Situation fühlt sich für viele surreal an. Und aus vielen Gesprächen habe ich mitgenommen, dass viele große Schwierigkeiten mit Ungewissheit haben. Die Frage „Wann ist das vorbei?“ ist völlig unklar. Aus meiner Sicht ist dies unser aller größte Herausforderung. Wichtig für Sie als Unternehmer und Unternehmerinnen ist es, möglichst schnell die Schockphase hinter sich zu lassen und in die Reaktionsphase zu kommen. Mich persönlich hat es überrascht, wie mächtig die Schockphase war. Falls Sie meinen Blogartikel zu der Frage „Fällt es auch Ihnen momentan schwer, Ihre Sorgen im Zaum zu halten?“ noch nicht gelesen haben, finden Sie ihn hier.

In Bezug auf Ihr Team durchläuft jeder einzelne die Phasen der Krise unterschiedlich. Einige verharren in der Schockphase, andere schauen sehr zügig nach vorne. Hilfreich ist, dies einzuschätzen, dann können Sie nämlich entsprechend mit der Person umgehen. Sollte sie sich noch in der Schockphase befinden, ist möglicherweise das rationale Denken aktuell blockiert, die Angst sehr groß und die Arbeitsleistung reduziert. Jetzt gilt es Druck raus zu nehmen und soziale Unterstützung zu geben, also zuzuhören. Es geht nicht um darum, etwas runterzuspielen sondern die berechtigte Sorge aufzunehmen.

Hingegen ist der Umgang mit Personen in der Reaktionsphase ähnlich wie in „normalen Zeiten“. Die erste Blockade ist aufgelöst und Sie können mit ihnen gemeinsam den Blick nach vorne richten und Lösungen suchen. Hier steckt aus meiner Sicht die berühmte Chance in der Krise: Lassen Sie sich von der Kreativität Ihres Teams überraschen, beziehen Sie es ein und nutzen Sie alle Kräfte und Synergien. -Jedoch ist genau das gerade eine große Herausforderung…

 

5 Möglichkeiten, um den Kontakt zum Team zu halten

Eine wichtige Prämisse in Krisenzeiten ist es, die Stimmung im Team hoch zu halten und dies können Sie erreichen, indem Sie den Kontakt halten, ausreichend Informationen geben sowie transparent kommunizieren.

1. Nehmen Sie sich Zeit, um möglichst mit jedem ein persönliches Gespräch zu führen.

Mir ist bewusst, dass dies zeitintensiv ist und im ersten Moment vielleicht inneren Widerstand hervorruft. Der Effekt ist jedoch um ein vielfaches höher, als der Invest. Ein persönliches Gespräch -in dieser Zeit meine ich damit am Telefon- wird als sehr wertschätzend wahrgenommen, außerdem vermittelt es Vertrauen und stärkt die Verbundenheit. Auf diesem Weg können Sie zudem rausfinden, in welcher Phase die Person sich aktuell befindet und wie Sie sie weiter einsetzen und belasten können.

Der Fokus sollte auf dem Mitarbeitenden liegen, jedoch können und sollten Sie das Gespräch auch nutzen, um Ihre Anliegen anzusprechen.

 

2. Laden Sie zu einer gemeinsamen Online-Kaffeepause ein. 

Eine schöne Idee, die daraus entstanden ist, dass einige sich im Homeoffice einsam gefühlt haben. Sie haben sich online mit Ihren Kolleginnen und Kollegen zum lunchen verabredet.

Ich fand es super und denke es ist nachahmungswürdig. Warum also laden Sie Ihr Team nicht zu einer regelmäßigen gemeinsamen Kaffeerunde ein? So können Sie das Teamgefühl erhalten und viele Online-Plattformen bieten ihre Dienste momentan sogar kostenfrei an. Mögliche Teools können sein: Zoom, Skype, Teams, MeetFox und andere.

 

3. Machen Sie transparent, was gerade in Ihnen vorgeht

Vielleicht kennen Sie das meist vergebliche Bestreben, Sorgen von den Kindern fernhalten zu wollen. In der Regel misslingt dies. Wir sind soziale Wesen und wenn wir Sorgen haben, geht dies nicht spurlos an uns vorbei. Versuchen wir die Sorgen zu unterdrücken, sind die Emotionen dadurch nicht weg und unser Gegenüber nimmt diese als Irritation wahr, denn er oder sie kann sie nicht richtig einordnen. Kinder sind, was das angeht sogar besonders sensibel.

Sie fahren also besser damit, Ihre momentanen Sorgen zu teilen. Selbstverständlich nicht in epischer Breite und in jedem Detail. Jedoch auszudrücken, dass auch Sie sich Sorgen machen, die Situation Sie belastet und Sie nicht auf alles eine Antwort haben, nimmt Ihnen und Ihrem Team Druck. Dabei gilt es die Balance zwischen ausreichender Offenheit und stabiler Führung zu finden.

Finden Sie dann einen guten Turnus, um Ihr Team in regelmäßigen Abständen auf den neuesten Stand zu halten.

 

4. Überraschen Sie mit der guten alten Postkarte.

Mir gefiel, dass die Kanzlerin in Ihrer Ansprache darauf hinwies, dass man auch mal wieder einen Brief schreiben könnte. In unserer digitalen Welt ist die persönliche Post weitgehend aus unserem Fokus verschwunden. Dabei ruft eine persönlich geschriebene Nachricht eine viel stärkere Bindung hervor. Ich selber pflege mit zwei Freundinnen eine Postkarten-Tradition und freue mich immer sehr, wenn eine solche Karte in meinen Briefkasten geflogen kommt.

Dies könnte also eine Idee sein, Ihrem Team kleine Überraschung zukommen zu lassen: Schreiben Sie eine Postkarte mit einer kurzen persönlichen Notiz.

 

5. Austauschmöglichkeiten bereitstellen

Wenn Sie eine offene Führungskultur pflegen, wird Ihnen bewusst sein, wie wichtig es ist, in einem intensiven Austausch mit Ihrem Team zu sein. Dies ist selbstverständlich auch in dieser Situation wichtig, wenn auch etwas schwieriger.

Aus meiner Sicht ist es relevant, Ihrem Team zum einen, einfache und schnelle Möglichkeiten anzubieten, um mit Ihnen in den Austausch zu gelangen. Zum anderen sollten Sie selber aktiv den Kontakt suchen. Wir als Führungskräfte unterschätzen häufig, die Hürden, die Mitarbeitende haben, um mit uns in Kontakt zu treten.

 

Noch ein allgemeiner Hinweis: Falls Sie gezwungen sein sollten, harte Maßnahmen ergreifen zu müssen, dann vermeiden Sie die sogenannte Salamitaktik. Machen Sie es also nicht scheibchenweise. Dies ist vielleicht gut gemeint, um nicht voreilig handeln zu wollen. Es schadete jedoch extrem der Moral des Teams und demotiviert bzw. lähmt es ungemein.

 

Das war das Thema für diese Woche. Nächste Woche erscheint der nächste Teil der Blogartikel-Serie zu den aktuellen Themen von Unternehmensinhabern in der Krise.

Wo drückt Ihnen gerade der Schuh? Welches sorgen haben Sie? Was belsatet Sie an der Situation besonders? Welche Fragen haben Sie in Bzug auf Ihr Team?

Schreiben Sie mir gerne Ihre Themen an newsletter@marloes-goeke.de

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