FEELGOOD – Beratung

#4: Was wollen Sie mitnehmen aus der Krise und was wollen Sie da lassen?

Langsam ist eine gewisse Gewöhnung eingetreten. Die dringendsten Fragen sind geklärt, die Hilfsprogramme laufen und die Neustrukturierung und Anpassung an die Krise ist geschehen. Nachdem nun auch erste Lockerungen in Aussicht gestellt wurden, richtet sich der Blick merklich nach vorne und das ist aus meiner Sicht auch wichtig. Vielleicht ist es jedoch auch eine gute Gelegenheit, noch einmal kurz innezuhalten, bevor es wieder richtig los geht und darüber nachzudenken, was die Krise auch Gutes mit sich gebracht hat und was Sie sich davon erhalten wollen oder was Sie vielleicht auch ganz bewusst hinter sich lassen wollen. 

Hierin spiegelt sich auch das Thema Resilienz. Es bedeutet u.a., gestärkt aus einer Krise hervorzugehen. Die Krise also dazu zu nutzen, aus ihr zu lernen. Häufig nehmen wir uns dazu keine Zeit, sind froh, dass es geschafft ist und schon wartet auch die nächste Herausforderung. Momentan wurden wir alle künstlich entschleunigt und haben Gelegenheit, uns damit auseinanderzusetzen. Wie Sie dies angehen können, möchte ich Ihnen in diesem Blogartikel vorstellen.

 

Wie filtere ich raus, was ich mitnehmen will?

Es ist möglich, dass Sie hier überhaupt keine Impulse benötigen und es für sich bereits sehr genau wissen. Dann springen Sie einfach weiter zum nächsten Kapitel.

 

Für alle anderen bietet sich die Methode der Leitfragen an. Lassen Sie sich dazu einfach von den folgenden Fragen leiten und notieren Sie, was Ihnen dazu in den Kopf kommt. Fühlen Sie sich bitte auch frei, weitere Fragen oder Varianten zu nutzen.

 

 

Welche Aspekte der Krise nehmen Sie positiv wahr, in Bezug auf…

  • …Ihre Familie/ erweiterte Familie
  • …Ihre sozialen Kontakte
  • …Ihre Freizeitaktivitäten und Wochenendgestaltung
  • …Ihre Ruhe, Erholung und Entschleunigung
  • …Ihr Bewegungs- und Ernährungsverhalten
  • …Ihr Konsumverhalten
  • …Ihr Stresserleben und Belastbarkeit
  • …Ihre Motivation
  • …Ihre Innovationskraft
  • …Ihre Konzentration
  • …Ihre Überzeugung, Unternehmer sein zu wollen
  • …Ihre Willensstärke
  • …Ihre Arbeitsorganisation
  • …Ihr Unternehmen
  • …Ihre Abläufe und Prozesse
  • …Ihr Team
  • …Ihre Kunden

Was haben Sie Neues ausprobiert, kennengelernt, entdeckt?

Worauf haben Sie verzichten müssen?

  • Was davon haben Sie nicht vermisst?
  • Was davon betrachten Sie nun anders und wie?
  • Was davon haben Sie vermisst?
  • Was sogar schmerzlich?
  • Was davon wollen Sie zukünftig bewusster genießen?
  • Worauf davon wollen Sie auch zukünftig verzichten?

Wofür sind Sie dankbar?

Welche Werte haben in der Krise eine neue Bedeutung für Sie bekommen?

Auf welche persönlichen Fähigkeiten konnten Sie in der Krise besonders zurückgreifen?

 

Formulieren Sie nun aus Ihren Notizen 1-3 Ziele.

Bevor ich mich der Frage widme, wie Sie diese umsetzen und dafür sorgen, dass Sie sie beibehalten, möchte ich kurz auf die Frage eingehen, was Sie mit den Dingen tun, die Sie zurücklassen möchten.

 

Wie lasse ich Dinge zurück?

Hierzu gibt es verschiedene Methoden. Alle haben sie gemeinsam, dass das Loslassen oder Zurücklassen symbolisch vollzogen wird. Dadurch realisieren wir das Loslassen.

Sie können die Dinge, die Sie zurücklassen wollen dazu z.B. auf kleine Zettel schreiben und diese verbrennen oder auf Steine und diese versenken.

Auch mental funktioniert dies, indem Sie diese Dinge vor das geistige Auge holen und sie dann langsam ausblenden, kleiner werden lassen und schließlich ganz zum Verschwinden bringen.

Eine weitere Methode kann auch die „not to do Liste“ sein. Hier notieren Sie einfach all die Dinge, die Sie nicht mehr tun wollen und prüfen in regelmäßigen Abständen, ob Sie sich auch daran halten.

Aus motivationspsychologischer Sicht wäre es jedoch günstiger noch einen zweiten Schritt einzubauen und die Dinge umzuwandeln, also ins Gegenteil zu verwandeln. Falls Sie sich beispielsweise vorgenommen haben „sich nicht mehr so stressen zu lassen“, könnte das Ziel dann lauten „Ich gehe die Dinge in Ruhe an“.

 

Wie sorge ich dafür, dass ich das nun auch beibehalte?

Hier gilt als oberstes Gebot das Schriftlichkeits-Prinzip. Die Psychologie-Professorin Dr. Gail Matthews von der Dominican University of California in San Rafael hat in einer Studie belegt, dass Personen, die ihre Ziele schriftlich fixieren, einen signifikant höheren Erfolg hatten, diese auch zu erreichen. Dieser lag um 23%-Punkte höher als bei Personen, die ihre Ziele nicht schriftlich festhielten.

Zusätzlich können Sie Ihre Erfolgs-Chancen noch dadurch steigern, dass Sie sich mit einer anderen Person zu Ihren Ziele austauschen.

Das, was Sie mitnehmen wollen schriftlich festzuhalten ist also schon einmal eine gute Basis.

Damit Sie dran bleiben, hilft es, sich Ihr Vorhaben immer mal wieder vor Augen zu führen. Dazu können Sie Ihre Ziele einfach an prominenter Stelle platzieren, sie also irgendwo hinhängen, wo sie häufig vorbeikommen. So werden Sie immer wieder daran erinnert.

Eine weitere Methode besteht in der regelmäßigen Reflexion. Nehmen Sie sich z.B. jedes Quartal Ihre Ziele vor und prüfen Sie, in wie weit Sie diese verfolgen, oder worauf Sie ggf. mehr Ihren Fokus legen wollen.

 

Alle bisher erschienenen Beiträge dieser Serie finden Sie hier:

#0: Fällt es auch Ihnen momentan schwer, Ihre Sorgen im Zaum zu halten?

#1:Wie halte ich mein Team in dieser Krise zusammen?

#2: Wie halte ich meine eigene Energie hoch?

#3: 10 Tipps wie sich Unternehmereltern im Homeoffice organisieren

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