FEELGOOD – Beratung

#5: „Wann ist das denn endlich vorbei?“ –was tun, wenn sich die Ungeduld meldet?

Nach nunmehr sechs Wochen Ausnahmesituation meldet sich bei dem einen oder anderen die Ungeduld. Das ist mehr als verständlich. Befinden wir uns doch in einem Zustand dauerhafter Ungewissheit. Das zermürbt und macht unzufrieden. Innere Blockarden, Energieverlust und Antriebslosigkeit sind die Folgen. Es fällt immer schwerer, sich zu motivieren.

Im folgenden lesen Sie, wie Sie es vermeiden, in diesen Abwärtsstrudel zu geraten und wie es Ihnen sogar gelingen kann, die Ungeduld in Produktivität zu verwandeln.

 

Akzeptanz, der Schlüssel zur Gelassenheit

Akzeptanz ist, wie ich bereits im letzten Blogartikel erwähnt habe, ein Resilienz-Faktor. Aus meiner Sicht ist er einer der bedeutendsten. In ihm liegt der Schlüssel zur Gelassenheit und der Zusammenhang wird insbesondere beim Gelassenheitsgebet des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr deutlich:

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom andern zu unterschieden.

 

Wir alle befinden uns aktuell in einer Situation, die wir nicht verändern können. Das fühlt sich nicht gut an, denn wir sind ohnmächtig und das ist ein belastendes Gefühl.

Das wollen wir loswerden und das kann dazu führen, dass wir anfangen, uns dagegen zu wehren. Wenn wir jedoch gegen etwas ankämpfen, machen wir es nur mächtiger und größer. Denn dadurch, dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, sehen wir nur noch Grenzen. Wir sehen nur noch das, was nicht geht, was uns gerade behindert. Die Situation wird übermächtig. Wir regen uns darüber auf, sprechen mit anderen darüber, was uns ärgert und steigern uns zunehmend da hinein.

Gefühlt wird unsere eigene Einflussnahme immer geringer und das tragische daran ist, dass es sich in unserer Wahrnehmung auch tatsächlich so darstellt. Wir gelangen ins Opferdenken. Wir sind gedanklich in einem Tunnel, der, wenn wir nicht aufpassen, immer enger wird.

Vielleicht kennen Sie das von anderen Situationen. Konflikte haben auch diese Eigenheit. Wenn wir uns über jemanden ärgern und sich die Situation nicht auflöst, schwelt der Ärger unterbewusst weiter. Die nächste Situation lässt es aufkochen und irgendwann können Sie nichts Gutes mehr in der anderen Person wahrnehmen.

Sich der Ungeduld hinzugeben, ist also leider nicht sehr hilfreich. Im Gegenteil, es blockiert, macht schlechte Laune und zieht enorm viel Energie.

Wie können Sie also vermeiden, in die Ungedulds-Falle zu tappen und Gelassenheit zu gewinnen?

 

Nicht in die Ungedulds-Falle tappen

Was uns aktuell so empfänglich dafür macht, in die Ungedulds-Falls zu tappen sind eine gewisse Orientierungslosigkeit, die Mehrbelastung und unterbewussten Sorgen. Gerade, wenn Existenzsorgen uns belasten oder so viel zu tun ist, dass es kaum bewältigbar erscheint, schalten wir in einen Funktionieren-Modus. Man könnte sagen, dass unsere Antennen dann verstopfen und die Signale nicht mehr so sensibel aufnehmen. Unsere Bedürfnisse geraten in den Hintergrund und wir nehmen auch unsere Gefühle nicht mehr so bewusst wahr. Die Folge ist, dass wir es gar nicht merken, wenn wir abrutschen. Wir funktionieren, machen immer weiter und weiter.

Hierin liegt also der Hebel, um gegenzusteuern: Halten Sie ab und zu inne, atmen Sie tief durch und fragen sich „Wie geht es mir gerade eigentlich?“. Möglicherweise hört sich das banal an. Es eröffnet Ihnen jedoch die Chance, eher zu bemerken, wenn Ihre Stimmung abrutscht und können dann einzuschreiten.

Bemerken Sie Ungeduld, geht es darum, Ihren Akzeptanz-Muskel zu trainieren. Das können Sie in zwei Schritten tun:

1. Erinnern Sie sich darin, dass die Situation zwar doof ist, Sie sie jedoch nicht verändern können.

2. Legen Sie sich dann eine Art Mantra zurecht, das sie sich immer selber sagen können, um die Situation anzunehmen. Das kann z.B. lauten: „Ich nehme die Situation an. Oder: „Ich weiß, dass es vorübergehen wird.“ Oder: „Ich bin so viel stärker als das!“ Oder: „Ich kann das aushalten.“ Oder: „Ich gebe mein Bestes!“ Oder: „Ich wachse daran.“ Oder „Ich lasse den Gedanken jetzt los.“

Fühlen Sie sich frei, einen passenden Satz zu formulieren.

Das wirkt selbstverständlich nicht von jetzt auf gleich, sondern braucht Wiederholung. Jedoch hat es große Wirkung, wenn Sie etwas geübt sind und es ist eine wunderbare Technik für zukünftige Hindernisse, die sich Ihnen in den Weg stellen.

 

Falls Sie merken, dass es Ihnen schwer fällt, sich gar nicht darauf einlassen können und eine große Wiederwehr bei sich wahrnehmen, können Sie einen kleinen Umweg ausprobieren. Sagen Sie sich dann: „Ich akzeptiere, dass es mir schwerfällt, es zu akzeptieren!“

 

Wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen wollen und die Energie in Produktivität umwandeln wollen, braucht es noch etwas mehr.

 

Ungeduld in produktive Energie umwandeln

Sie können den nächsten Schritt gleich mit üben oder später ergänzen. Im Prinzip geht es darum, die Energie, die in der Ungeduld, Wut oder einem anderen Gefühl steckt, umzulenken. Man sagt, dass Energie nicht verschwindet, sondern sich lediglich umwandelt. Aus der Physik kennen Sie das vielleicht noch: Wenn Eis erwärmt wird, wird es zu Wasser. Wenn das Wasser weiter erwärmt wird, wird es zu Gas.

Übertragen auf die Ungeduld steckt auch darin Energie. Sogar wertvolle Energie, denn die Dauerbelastung zehrt an unseren Reserven. In der Ungeduld ist sie jedoch nicht gut eingesetzt.

Wenn Sie also die ersten beiden Schritte vollzogen haben und Ihr Mantra seine Wirkung entfaltet, können Sie noch weiter gehen.

Wenn Sie bereits wissen, wohin Sie die Energie lieber stecken würden, dann sagen Sie sich selber: „Ich konzentriere mich jetzt auf….“. Das können Sie noch verstärken, indem Sie die Gründe ergänzen, aus welchen Ihnen diese Aufgabe wichtig ist bzw. mit welchem Ziel Sie sie verfolgen: „Ich konzentriere mich jetzt auf…., weil …“

Falls Sie in der Situation noch eine Tätigkeit suchen, in die Sie die Energie stecken wollen, können Sie mit Leitfragen arbeiten. Die könnten z.B. lauten: „Was würde mich jetzt voranbringen?“ oder „Worein möchte ich meine Energie lieber stecken?“ oder „Was würde mich jetzt entspannen/ Kraft geben?“

 

Es kann eine Herausforderung sein, der Ungeduld zu widerstehen. Gegeben Sie sich Zeit. Und denken Sie daran: mit Ungeduld, Wut und Ärger können Sie die Situation nicht verändern. Also haben Sie nichts zu verlieren und können es einfach mal testen.

 

Passen Sie gut auf sich auf!

 

Alle bisher erschienenen Blogartikel dieser Serie finden Sie hier:

#3: 10 Tipps wie sich Unternehmereltern im Homeoffice organisieren

#0: Fällt es auch Ihnen momentan schwer, Ihre Sorgen im Zaum zu halten?

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